Verlorene Bilder, verlorene Leben

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen zu Beginn der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Ihrem Wohnzimmer und an der Wand über dem Sofa hängt Pissarros Rue de Saint-Honoré. Es gehört zu Ihrem Familienbesitz und Sie gehen davon aus, dass Sie sich noch lange an diesem wunderbaren Kunstwerk erfreuen können. Auf einmal verändert sich die politische Landschaft in Ihrem Heimatland und Sie sind aufgrund Ihres Glaubens sehr bald dazu gezwungen das Land zu verlassen – schließlich geht es um Leben oder Tod.Im März 1939 taucht ein amtlicher Sachverständiger und Schätzer mit einer Konzession der „Reichskammer für bildende Künste“ auf und verschafft sich einen Überblick über Ihre ganzen Kunstgegenstände. Der Schätzwert für das wertvolle Pissarro-Bild wird auf gerade Mal RM 900 festgelegt.

Jetzt könnte man sagen, man ist doch selbst schuld, wenn man sich auf den Verkauf des Werkes zu diesem Preis einlässt, schließlich hat dieser Preis nicht im Entferntesten dem wirklichen Wert entsprochen. Man hätte doch länger verhandeln können (und damit die Ausreise gefährden?). Oder man hätte einen anderen Händler suchen können (der vielleicht nicht dazu bereit gewesen wäre mehr Geld für das Bild zu bezahlen). Im schlimmsten Fall hätte man Sie an die Gestapo verpfeifen und somit dafür sorgen können, dass „die Sache“ aus der Welt geschafft wird.

Wie auch immer, Sie lassen sich auf den Deal ein und man suggeriert Ihnen, Ihnen damit einen Gefallen getan zu haben. Die RM 900 bekommen Sie auf ein Sperrkonto überwiesen, worauf Sie keinen Zugriff haben, so dass das Konto dem deutschen Staat zufällt.

Nach dem Ende des Grauen, wir sind inzwischen im Jahr 1993, taucht das Bild in der privaten Sammlung des Heini Thyssen-Bornemisza auf, welcher wiederrum Teile seiner außergewöhnlichen Kunstsammlung an dem spanischen Staat für 350 Mio Dollar verkauft hat. Seitdem hängt Ihr Wohnzimmerbild in seinem Museum in Madrid und Sie gehen leer aus!

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind Kunstschriftsteller und sammeln moderne Künstler wie z. B. Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Otto Dix und Otto Mueller; gefühlt alle Expressionisten, die man sich vorstellen kann. Diese Aufzählung ist nicht abschließend, denn Ihre private Kunstsammlung umfasst nicht nur Gemälde, sondern auch Plastiken, Grafiken und Zeichnungen.

Weil Sie aus dem Land fliehen müssen, überlassen Sie Ihre Sammlung einer guten Freundin, die Sie später hintergehen wird, so dass Ihre Sammlung nie wiedersehen. Die Flucht ist eine Odyssee über Frankreich, USA nach Mexiko. Nach dem Krieg versuchen Sie jahrelang Informationen darüber zu erhalten, was mit Ihren Kunstwerken geschehen ist. Leider ohne Erfolg.

Nach Ihrem Tod fängt die einst gute Freundin an, schrittweise Ihre Werke auf dem Markt zu bringen, die sie vorher als ihre eigene Sammlung deklariert. Da Sie nicht mehr unter den Lebenden weilen, steht die Aussage Ihrer Nachfahren gegen die Aussage der Diebin und keiner kann mehr beweisen, wem die Werke einst gehört haben.

 

Stellen Sie sich nun vor, Sie erwerben aus der Erbschaft Ihres reichen Onkels Ihr erstes Kunstwerk für eine recht stattliche Summe und es ist ein Kandinsky. Nämlich sein frühes Meisterwerk Improvisation 10, eine der frühen Abstraktionen, „in der man noch die Herkunft von weiten hellen Landschaften mit rollenden Hügeln fühlen kann“. Dieses wunderbare Bild hängt in Ihrer bürgerlich möblierten Acht-Zimmer-Wohnung in Hannover und Sie können sich jahrelang daran erfreuen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, müssen Sie Ihren Haushalt auflösen und übergeben dem Direktor des örtlichen Provinzialmuseums Anfang August 1926 insgesamt 16 Werke zur Aufbewahrung; darunter auch die Improvisation 10. Das Museum quittiert den Erhalt.

Nach Ihrer Vertreibung und Umsiedlung – Sie lebten zwischendrin in einem Keller, dann bezogen Sie ein Zimmer in einer Baracke ohne Warmwasser und Toilette, versuchen Sie Ihre Bilder vom Museum wiederzubekommen. Man teilt Ihnen mit großem Bedauern mit, „dass die von Ihnen genannten Bilder, wie überhaupt alles, was sich an moderner Kunst im Hannoverschen Museum befand, 1937 verloren gegangen sind (…)“.

Einige Bilder tauchen Jahre später wieder auf, wobei manche der neuen Besitzer sich taub stellen und auf Ihre Anfragen nicht reagieren. Die Reaktion der Foundation Beyeler toppt dabei alles: Zunächst versucht man Sie mit einer Dauerkarte für die Foundation abzufertigen, damit Sie sich das Bild jederzeit anschauen können. Schließlich sehen die Verantwortlichen ein, dass die Argumente der „Gutgläubigkeit“ und „Verjährung“ nicht wirklich greifen, und man einigt sich auf eine angemessene Entschädigung. Nicht alle Bilder kehren zu Ihnen zurück.

 

Stellen Sie sich zu Guter Letzt vor, Sie gehören der Familie Hess an und Ihnen gehören etwa 80 Ölgemälde, 200 Zeichnungen und Aquarelle und ungefähr 4000 grafische Blätter. Einst lebten Sie in Erfurt und bewirteten die ganzen Expressionisten bei sich zu Hause. Sie besaßen so viele Kunstwerke, dass Ihre Zimmer alle zwei Namen hatten. Einen gewöhnlichen, wie Herren- oder Speisezimmer, und einen Malernamen, wie ‎das „Marc-Zimmer, mit gelben Wänden und blauer Decke, das Nauen-Zimmer, mit großen, für den Raum entworfenen Bildern, und das Kirchner-Zimmer. In Ihrer Halle hingen Werke von Nolde, Schmitt-Rottluff, Pechstein, Otto Mueller, im Herrenzimmer Feininger…“.

Zu Ihrer Sammlung gehörte u.a. „Die Barfüsserkirche 1“ von Lyonel Feininger‎ von 1924, die 1935 zwangsversteigert wurde und heute in der Staatsgalerie Stuttgart hängt. Bekannter ist Kirchners Berliner Straßenszene von 1913, welches fast zwanzig Jahre in Ihrem Familienbesitz war, 1936/1937 zwangsverkauft und 2006 zurückerstattet wurde. Noch berühmter wurde es, als es am 08. November 2006 für den höchsten bislang für ein Kirchner-Gemälde ‎gezahlten Kaufpreis von umgerechnet 30 Millionen Dollar versteigert wurde. Übrigens wurde dieses Bild einst als Leihgabe im Frankfurter Städel gezeigt. Und ja, Sie können es sich schon denken: Auch hier kehrten die meisten Bilder nicht zu Ihrem Besitzer zurück.

 

Verlorene Bilder, verlorene Leben – Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde: In diesem Buch wird vom größten Kunstraub aller Zeiten berichtet. Etwa 600.000 Kunstwerke aus jüdischem Besitz wurden gestohlen, beschlagnahmt, eingezogen, zwangsverkauft oder -versteigert. Seit 1945 bemühen sich die Geschädigten und ihre Erben meist mit mäßigem Erfolg um die Rückgabe der wertvollen Kunstwerke.

Unter anderem wird darüber berichtet, was mit den Sammlungen der Familien Cassirer (unter anderem Pissarros Rue Saint-Hanoré am Nachmittag)‎, von Mendelssohn, Bloch-Bauer, den Rothschild und viele anderen geschah. Während die Medien häufig nur über die spektakulären mit diesen Werken zu erzielenden Kaufpreisen berichten, erzählt dieses Buch von den Menschen hinter den einstigen Sammlungen, deren Schicksale und gibt tiefe Einblicke in die Problematik der Kunstrestitutionen.

Am Ende bleibt einem nur noch die Sprachlosigkeit.

 

Verlorene Bilder Verlorene Leben
Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde
Melissa Müller und Monika Tatzkow
unter Mitarbeiter von Thomas Blubacher und Gunnar Schnabel
Elisabeth Sandmann Verlang GmbH, München
1. Auflage 2009
ISBN 978-3-938045-30-5

Misslungene Kunst

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass in Museen überwiegend misslungene Bilder gezeigt werden? Was wir jetzt als „Meisterwerke“ betrachten, die für teures Geld für die Sammlung des Museums angeschafft worden sind, sind zumeist die Werke, die sich am weitesten von den Regeln der akademischen Kunst entfernt haben, wie sie die Meister der betreffenden Epoche vorgeschrieben haben.

 

So neulich im Museé d’Orsay, in Paris. Man schlendert durch diesen alten Bahnhof und wen trifft man auf diesem Fest der Augenblicke? Den guten Courbet, den bescheidenen Millet, der wiederrum van Gogh gefallen hat, meinen geliebten Manet, den von mir weniger geschätzten Monet, den romantischen Renoir und sehr viele van Goghs, davor noch Gauguin. Was hat man in der Vergangenheit nicht gelacht über die Impressionisten, Fauvisten, Degas, Cézannes und wie sie alle hießen?

 

Und dann fliegen Sie nach New York zum Museum of Modern Art und betrachten die Les Demoiselles d’Avignon, welche sogar damalige Künstlerfreunde von Picasso so erschreckt hatte, dass sie ihnen verrückt und ungeheuerlich erschienen. Braque erklärte, dass es auf ihn wirkte, als hätte jemand Petroleum getrunken, um Feuer zu speien, während Derain meinte, dass man eines Tages Picasso hinter seinem großen Gemälde erhängt auffinden würde.

 

Heute strahlen diese Bilder wie Ikonen in einer Kathedrale und tausende drängen sich vor ihnen, um ein Selfie mit diesem Bild zu machen und vergessen, dass man im Museum nicht alleine ist. Mir drängt sich die Frage auf: Wissen die Betrachter überhaupt die Vorgeschichte dieser Bilder? Wissen Sie, wieviel Spott und Gelächter, Kritik und Hass den Künstlern damals entgegen schlug?

 

Heute, nach dem man diese Bilder schätzen gelernt hat, erscheinen sie einem nicht mehr als misslungen. Man könnte befürchten, sie sind zum Mainstream geworden.

 

Letzter Ausstellungstag: Art in A Box

Am Sonntag, den 25. Oktober 2020, ist die letzte Gelegenheit, die Gruppenausstellung „Art in a Box“ – von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr – zu besuchen.

 

Trotz der weiterhin ansteigenden Corona-Zahlen findet die Veranstaltung statt! Die Blu Sky Lager GmbH hat ein gut organisiertes Hygienekonzept, welches sich am ersten Ausstellungstag am letzten Sonntag bewährt hat. Bitte beachten Sie die Ausschilderungen auf dem Boden und vergessen Sie Ihren Mund-Nasenschutz nicht, der auf der gesamten Ausstellungsfläche zu tragen ist. Für Verschnaufpausen bestehen auf dem Außengelände Sitzmöglichkeiten. Es werden auch Speisen und Getränke angeboten.

 

Zum Schluss verweisen wir auf die Fernsehberichterstattung, die Ihnen vorab einen Eindruck von der Ausstellung vermittelt:

 

Hessischer Rundfunk https://t1p.de/p77j

 

Rhein-Main-TV (Start: 09:50) https://t1p.de/1k07

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und freuen uns, Sie am letzten Tag in der Box zu begrüßen!

Ihr Andonoski ArtSupport

Bild: Andonoski Art Box
Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers

Reminder: Art in a Box

Hier unser kleiner Reminder und ein paar Informationen zur Gruppenausstellung „Art in a Box“ am kommenden Sonntag, den 18. Oktober 2020, in der Zeit von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr.

 

Trotz ansteigender Coronazahlen in Frankfurt findet die Veranstaltung statt! Hierzu hat sich die Blu Sky Lager GmbH in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt ein tragfähiges Hygienekonzept ausgedacht.

 

Es stehen insgesamt über 360 m² sehr gut belüftete Ausstellungsfläche (Frischluft, keine Umluft) zur Verfügung. In den Räumlichkeiten herrscht Maskenpflicht. Der Veranstalter kontrolliert und reguliert den Einlass der Besucher und stellt somit sicher, dass ausreichend Platz pro Person für den Genuss der Ausstellung zur Verfügung steht. Als möglicher Wartebereich stehen den Besuchern ein großer, überdachter Außenbereich sowie ein geräumiger Eingangsbereich zur Verfügung. Desinfektionsspender sind ausreichend vorhanden. Parkplätze finden Sie rund um das Gebäude.

 

Ein Cateringwagen wird Snacks und Getränke im überdachten Außenbereich des Blu-Sky-Lager-Gebäudes anbieten. Die zwei Hauptsponsoren Bacardi und Heineken sponsern die Kunstaktion mit Sekt und Kaltgetränken, die zu Beginn des ersten Ausstellungstages kostenlos den Besuchern gereicht werden. Der Besuch am Tag der Eröffnung lohnt sich daher!

 

Falls Sie diesen Sonntag verhindert sind, haben Sie am 25. Oktober 2020 nochmals die Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen.

 

Am Freitag wird nach aktuellem Stand die Hessenschau und Rhein Main TV die Ausstellung vorab besuchen, um in ihren Formaten über sie zu berichten. Behalten Sie daher die Homepage der Hessenschau sowie die Ausstrahlungen der Sendung am kommenden Freitag und Samstag im Auge.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß!

 

Vergessen Sie Ihren Mund-Nasenschutz nicht.

 

Ihr Andonoski ArtSupport

Verständnis und Kunst

Als Besucher einer Ausstellung, einer Kunstgalerie oder eines Museums betrachtet man die Kunst und denkt sich, was sagt dieses Werk aus? Welche Botschaft möchte mir das Kunstwerk übermitteln?  Um es auf dem Punkt zu bringen: Jeder möchte die Kunst verstehen. Irgendeiner hat wohl in der Vergangenheit festgelegt, das muss so sein. Aber warum nur?

 

Picasso sagte einmal: Warum versucht man nicht die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns her, ohne es durchaus zu verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es verstehen.“ Geht es darum zu beweisen, dass man die Intention des Künstlers intellektuell begreifen kann? Würde alles andere die eigene Intelligenz in Frage stellen?

 

Manchmal bezweifle ich, dass der Künstler selbst wusste, was er in diesem Moment schafft. Vielmehr müsste man zuerst begreifen, dass ein Künstler schafft, weil er schaffen muss. Da ist vielleicht diese eine Stimme, die einem zuflüstert: „Mal endlich etwas“! Oder zeichne den Strich so und kombiniere folgende Farbe dazu.

 

Früher habe ich selbst geglaubt, dass das Bild vor seiner Entstehung schon zumindest in der Phantasie vorhanden sein muss, bevor man sich an das Werk macht. Das umfasst nicht nur die Darstellung und die Form, sondern auch das Farbkonzept. Und dies ging in der Tat viele Jahre gut.

 

Je älter man wird – zumindest geht es mir so – desto weniger kann man sich auf diese Vorgehensweise verlassen. Fängt man an dem Bild zu arbeiten, stellt man fest, dass unvorhergesehene Probleme auftauchen und dass das Blau doch nicht so gut zu dem Rot passt. Dass der eine Strich vielleicht doch nicht so gut gelungen ist, wie man sich das am Anfang gedacht hat. Und ehe man sich es versieht, gleicht das Endprodukt nicht unbedingt der Vorstellung, die man am Anfang hatte. Das kann für einen Künstler ganz schön aufreibend sein!

 

Auch ich musste also einsehen, dass ich manchmal meine eigene Kunst nicht verstehe. Es muss Zeit vergehen, um zu begreifen, wieso ich etwas so gemalt habe, wie ich es getan habe.

 

Und falls irgendjemand dachte, dass es der Künstler ist, der im Mittelpunkt steht, der sollte verinnerlichen: Bei der Kunst kommt es nicht auf den Künstler an. Dieser ist nur eine Komponente von vielen. Schenken Sie Ihre Aufmerksamkeit der Kunst, nicht dem Künstler und auch nicht dem Verstehen der Kunst.

 

Finden Sie eher raus, ob das Kunstwerk, welches Sie gerade betrachten, mit Ihnen persönlich interagiert. Ob es Ihnen gefällt oder nicht. Das Verstehen der Kunst ist keine Voraussetzung dafür, um sich mit Kunst auseinander zu setzen.

 

Bild: Michaela Kurpierz
Darstellung: Markus Redl, Stein 146/122 Blickfelderweiterung/360° (Hold The Line), 2016 (Bianca Carrara Marmor, 365 x 245 x 215 cm, Sammlung Würth, Inv. 17280)
Mit freundlicher Genehmigung der Photografin

Bild zum Januar Blogbeitrag nach Max Ernst; Collage von Goce Andonoski

Auf in das neue Jahr

Zuerst wünsche ich Ihnen ein frohes neues Jahr 2018! Hoffentlich sind Sie gut in das neue Jahr gestartet und vielleicht halten Sie schon Ausschau nach der nächsten Ausstellung, die Sie in 2018 besuchen möchten.

Dominierten die Documenta und die Biennale das Jahr 2017, kann man sich in diesem Jahr über die Vielfalt an Ausstellungen freuen, die in kleinerem Umfang den Kunstinteressierten begeistern. Hierzu gehören unter anderem die aktuellen Ausstellungen in der Schirn („Glanz und Elend in der Weimarer Replik“), im MMK 2 (Haben Sie schon das Innere von Maria Callas Bauch in „I am Problem“ besichtigt?),  im Museum für Angewandte Kunst (Jil Sander lässt grüßen) und im Museum Giersch der Goethe-Universität (Eric und Julia Isenburger erzählen ihre Geschichte).

Für die reisewilligen Interessierten ist besonders ein Besuch im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe zu empfehlen, wo bis zum 04. April 2018 eine Ausstellung über die feministische Avantgarde der 1970er-Jahre läuft und der #metoo-Debatte eine neue Sichtweise hinzufügt wird. Endlich hebt eine Einrichtung die Pionierleistung der feministischen Avantgarde hervor, um dieser künstlerischen Bewegung den ihr schon längst überfälligen Platz im Kanon der Kunstgeschichte zu einzuräumen.

Wenn man schon in Karlsruhe ist, kann man Cezannés Metamorphosen betrachten, vorausgesetzt die Schlange ist nicht zu lang und man wird hereingelassen. Das Online-Ticket ist hier unerlässlich!

Etwas nördlicher und knapp zwei Stunden Autofahrt entfernt liegt das wunderbare Max Ernst-Museum in Brühl gelegen. Aktuell kann man dort Mirós kleine Monster betrachten. Absolut sehenswert ist aber auch die Dauerausstellung, wo über hundert Arbeiten von dem deutschen, namensgebenden Surrealisten zu betrachten sind.

Fußläufig vom Max Ernst-Museum erreichbar ist ab Februar ein echtes UNESCO-Kulturerbe zu besichtigen: Das Schloss Augustusburg, welches oft einfach Schloss Brühl genannt wird, gilt als die Lieblingsresidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August aus dem Hause Wittelsbach (1700 – 1761) und zu den bedeutendsten Schöpfungen des Rokoko in Deutschland.

Ab Februar geht es noch spannender weiter: Unter anderem beim Bilder-Recycling mit Rubens im Städel (ab 08. Februar), während uns Jean-Michel Basquiat New Yorks Straßenkunst der 80er Jahren in der Schirn-Kunsthalle näher beibringt (ab 16. Februar). Und das sind nur zwei von hundert anderen Ausstellungen in diesem Jahr.

Und was macht die Andonoski-Kunst? Die pendelt zwischen Korea und der Welt der Harlekin hin und her. Wenn alles gut geht, präsentiert sie sich demnächst in einem besonderen Programm als eine einmalige Aktion. Halten Sie die Augen auf und spitzen Sie die Ohren besonders gut. Denn bei dieser Aktion werden nicht nur die Augen beansprucht, sondern auch die Ohren kommen in den Genuss.

Bis zum nächsten Kunstereignis.

Die Suche

Auf der Suche nach Antworten
suchte Er nach Zeit
und fand diese versteckt in der Höhle des Golans.
„Zeit, hast du die Antworten auf alle Fragen?“ fragte Er.
Die Herrscherin über das Reich der Sekunden entgegnete ihm:
„Nein! Aber ich gebe Dir reichlich Raum, um sie zu finden.“
So ging Er fort während sie den Dingen ihren Lauf ließ

Er
stieß auf Größe,
die in ihrer beeindruckenden Pracht jeden fesselte.
„Größe, hast du die Antworten auf alle Fragen?“
fragte Er ein weiteres Mal.
Die Herrin vieler Dimensionen entgegnete ihm:
„Nein! Aber erlange eine gewisse Größe
und Du wirst sie finden.“
So ging Er fort und ließ sie sich ausdehnen.

Er
wanderte weiter und begegnete Wissen,
von welchem Er sich endlich alle Antworten versprach.
„Mächtiges Wissen, hast du die Antworten auf alle Fragen?“ fragte Er ein drittes Mal.
Der Pate der Erkenntnis entgegnete ihm:
„Nein! Du selbst trägst die Lösung in Dir.
Lerne stetig weiter, so wirst Du sie eines Tages finden!“
So ging Er fort und ließ es das Tal der Kenntnis überblicken.

Er
wusste nicht mehr weiter,
da lief ihm Alter über den Weg.
„Ehrwürdiges Alter, hast du die Antworten auf alle Fragen?“ fragte Er resigniert.
Der Sammler der Epochen entgegnete ihm:
„Nein! Gehe erst einmal entlang der Jahrzehnte und Du findest was Du suchst!“
So ging Er fort und ließ es die Falten der Welt zählen.

Auf der Suche nach den Antworten auf alle Fragen,
während die Zeit verging,
Er Größe erlangte,
sich Wissen aneignete
und älter wurde,
trat ihm eines Tages Gott entgegen und sagte:
„Du bist auf der Suche und kannst doch nichts finden.“
„Oh mein Herr, ich suche die Antworten auf alle Fragen,
doch sie scheinen nirgendwo auffindbar zu sein!“
Da entgegnete ihm Gott:
„Ich werde sie dir verraten,
doch Du musst sie für Dich behalten!“
So sprach der Herr und ließ es geschehen.
Er empfing die Antworten auf alle Fragen,
sah das Alpha und das Omega,
sah das Gute und das Böse,
sah den Anfang und das Ende.

Dann verstummte Er für die Ewigkeit.

Ein Wochenende voller Kunst

Was passiert, wenn zwei befreundete Künstler aufeinander treffen? Nun ja, offenbar das Offensichtliche: Sie treffen auf viel Kunst! So geschehen an diesem Wochenende in Frankfurt am Main.

Los ging es am Treffpunkt Galerie Tristan Lorenz, wo zurzeit die Werke von Sebastian Menzke ausgestellt werden. Was dieser Künstler macht? Herr Menzke hat Design studiert und man könnte meinen, er wäre eher der digitalen Welt verbunden. Stattdessen hat er sich bewusst für die Leinwand entschieden. In seinen Werken werden Form und Figur in eine bewusste Dekonstruktion und collagenartigen Überlagerung zum Ausgangspunkt seines Schaffens.

Angelehnt an der Klassischen Moderne sucht er wie die großen Meister nach Möglichkeiten, Tiefe und Raum zu erreichen ohne diese thematisch darzustellen. In den aktuell ausgestellten Arbeiten steigert er die Raumdimension des Bildes, indem das Bild durch Harzschichtungen vom flachen Bildträger zu einer gestaffelten Inszenierung zum Relief wird.

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Stille

Ich saß abends mit Freunden zu Hause und sprach über Designs und Layouts für ein neues Projekt, als die erste Eilmeldung über ein Vorfall in Paris herein flatterte. Zu diesem Zeitpunkt hätte keiner daran gedacht, welche Katastrophe sich an diesem Abend ereignete.

In den nächsten Tagen schien sich die Welt zu verändern, zumindest die Westliche. Lebensfreuden wichen der Angst, friedliche Zeiten wichen dem Kriegsansagen und das unbekümmerte Lächeln der Trauer und den Sorgen. Und in unserem Schmerz und Bekümmertheit vergaßen wir, dass auch in anderen Teilen dieser Welt schlimme Vorfälle geschehen. Ob in Libanon, Mali oder Afghanistan, Israel, Syrien oder sonst wo auf der Welt – es fließen Tränen und die Menschen schlachten sich gegenseitig ab.

Wie soll man darauf reagieren? Wie soll ein Mensch oder eine Gesellschaft darauf reagieren? Ein Präsident ordnet Bombenangriffe an, eine Verteidigungsministerin spricht von Besonnenheit. Welche Reaktion ist darauf angemessen?

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Die falsche Sturm-Frau

Am 30. Oktober 2015 feierte die Schirn Kunsthalle die Eröffnung der STURM-Frauen. Dem Katalog folgend, stellt diese Ausstellung den STURM als funktionierendes Netzwerk vor, welches als Impulsgeber für Neues, für Widerstand gegen althergebrachte Ausfassungen auftrat, Künstlerinnen und Künstler aus vielen unterschiedlichen Sparten miteinander verband, förderte und letztendlich in der STURM-Galerie unter der Federführung des Begründers Herwarth Walden ausstellte.

DER STURM, zunächst in Form einer Zeitschrift gegründet, förderte die expressionistische Kunst. 1912 folgte die gleichnamige Galerie, etwas später weitete Walden das Ganze auf die STURM-Bühne, die STURM-Buchhandlung, die STURM-Abende und andere STURM-Aktionen aus. Dabei lagen ihm wohl besonders die Künstlerinnen dieser spannenden Epoche am Herzen. Darunter namhafte Persönlichkeiten wie Sonja Delaunay, Marianne von Werefkin, Gabriele Münter, Else Lasker-Schüler, Jacoba van Heemskerck, Marcelle Cahn und viele anderen. Bis zur Schließung 1932 sollte er über 30 Malerinnen und Bildhauerinnen ausgestellt haben. Viele Galerien dieser Zeit hätten sich durchaus ein Beispiel daran nehmen können.

Befasst man sich zu diesem Thema mit dem Katalog*, stellt man bei genauem Hinschauen und Durchlesen zwei Irritationen fest. Zunächst wundert man sich über die spiegelverkehrte Abbildung eines Werefkins Gemäldes mit dem Namen „Der Sturm“ (Kat. S. 341) und erinnert sich an die flehenden und knienden Frauen. Waren diese nicht auf dem Original auf der rechten Seite angesiedelt?

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