Kollektion – Eine Frage der Semantik

Letztens fragte mich Mia, eine freie Mitarbeiterin des Städel Museums und lieb gewonnene Freundin, in einer gemütlichen Gesellschaftsrunde, wieso ich jedes Mal „von Kollektionen sprechen würde“ in Zusammenhang mit meiner Kunst? Was würde ich damit sagen wollen? Ist das gleichzusetzen mit dem Begriff „Serie“ oder „Zyklus“?

 

Spricht man von der bildenden Kunst, so ist die Bezeichnung „Kollektion“ in der Tat fehl am Platz. Auch wenn der Begriff nach dem Duden eine „Mustersammlung von Waren, besonders der neuesten Modelle der Textilbranche“ bedeutet, kann man auch durchaus eine Auswahl oder eine Sammlung meinen, die „für einen bestimmten Zweck“ zusammengestellt worden ist. Also eine „aus Neigung zusammengetragene Sammlung“.

 

Um meine Definition des Begriffs „Kollektion“ zu verstehen, muss man einige Fakten aus meiner Vergangenheit wissen, die nicht vielen Zeitgenossen bekannt ist. Meine künstlerischen Anfänge wurzeln in Modeskizzen. Ich erinnere mich noch genau, wie meine ältere Schwester von Modedesign schwärmte und unbedingt die Modewelt erobern wollte. Dadurch angespornt, fing ich ebenfalls an Kleider für die moderne Frau zu kreieren.

 

Um ihren Traum zu verwirklichen, absolvierte meine Schwester später ein Praktikum bei einem lokalen Modehersteller. Die Ernüchterung über den Umgang mit einer Nähmaschine ließ alle ihre vorherigen Träume platzen, während ich mich der Malerei zuwandte und die Arbeitsweise eines Designers adaptiert hatte.

 

So entstehen bei meiner Kunst – Zeit und vorhandene Inspiration vorausgesetzt – vier bis fünf Serien (von mir als „Kollektionen“ bezeichnet) im Jahr. In stressigen Jahren werden lediglich ein bis zwei Kollektionen fertiggestellt. Schließlich hat der Tag doch nur vierundzwanzig Stunden.

 

Ich kreiere sozusagen Themenfelder, die sich farblich, figurativ und oft auch inhaltlich voneinander unterscheiden. Schließlich schätze ich die Abwechslung und laufe auch im Alltag eher ungern das ganze Jahr in dem selben Kleidungsstück herum.

 

Letztendlich ist der Begriff „Kollektion“ nur eine Frage der Semantik. Auch wenn diese Begrifflichkeit in der Kunstgeschichte fehl am Platz ist, gestatte ich mir diese Eigenart. Schließlich ist es meine Kunst, von der ich spreche. Demnach trägt sie auch den von mir verliehenen Namen.